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Ihr KI-Briefing · 26. Oktober 2026

Anthropic rät: ein KI-Agent mit Skills statt vieler Subagenten

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  • Anthropic rät in einem Leitfaden vom 22. Oktober, KI-Agenten eher als einen Hauptagenten mit nachladbaren Fähigkeiten zu bauen statt als Verbund vieler Subagenten, und empfiehlt, mit 10 Musterbeispielen als Testsatz zu beginnen.
  • Die Cyberagentur des Bundes sieht Angreifer derzeit im Vorteil: Neue Lücken würden in Minuten oder Stunden ausgenutzt, das Schließen dauere deutlich länger; IBM zählt bei vier großen Herstellern rund 578 Prozent mehr gemeldete Schwachstellen.
Anthropic rät: ein KI-Agent mit Skills statt vieler Subagenten
Foto: Breather breather · CC0
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Anthropic rät: ein KI-Agent mit Skills statt vieler Subagenten

Anthropic hat am 22. Oktober einen Leitfaden veröffentlicht, wann Unternehmen spezialisierte Subagenten in einen Hauptagenten zurückführen sollten. Kernaussage: Weniger Subagenten, dafür Fähigkeiten und Werkzeuge, die erst bei Bedarf geladen werden, können die Qualität verbessern und zugleich Kosten und Wartezeit senken. Ein Kunde habe mit einem einzelnen Agenten etwa doppelt so schnelle Laufzeiten gemessen wie mit seinem Verbund mehrerer Agenten.

Florians EinordnungDer Rat ist nachvollziehbar, weil bei jeder Übergabe zwischen Agenten Kontext verloren gehen kann; er stammt aber vom Modellanbieter selbst, und die Zahlen beruhen auf ungenannten Kunden und internen Beispielen ohne veröffentlichte Methodik. Wertvoller als die Architekturfrage ist die Arbeitsweise, die Anthropic beschreibt: erst einen kleinen Testsatz bauen, dann jeweils eine Änderung vornehmen und jede Aufgabe mehrfach prüfen.
Für Ihren Alltag Wenn Ihnen eine Agentur einen KI-Agenten anbietet, werten Sie die Zahl der beteiligten Agenten nicht als Qualitätsmerkmal, sondern fragen Sie nach einem Testsatz mit mindestens 10 typischen Fällen aus Ihrem Betrieb und den Ergebnissen darauf.
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Viele Agentensysteme in Unternehmen bestehen aus mehreren spezialisierten Teilagenten: einer erkennt das Anliegen, einer sucht Daten, einer formuliert die Antwort, darüber ein Orchestrator. Anthropic hält das in einem am 22. Oktober veröffentlichten Leitfaden oft für unnötig. Neuere Modelle könnten komplexe Abläufe in einer einzigen Schleife abarbeiten, wenn sie Fachwissen als nachladbare Skills und Werkzeuge über eine Suche erhalten.

Als Beispiele nennt Anthropic einen Kunden, der mit einem einzelnen Agenten etwa doppelt so schnelle Laufzeiten gemessen habe, und ein Unternehmen, dessen rund ein Dutzend Spezialagenten einen einheitlichen Auftritt gegenüber Kunden erschwert habe. Das eigene Werkzeug Claude Code habe man für neuere Modelle um über 80 Prozent im System-Prompt gekürzt. Ab 30 bis 50 Werkzeugdefinitionen im Prompt verschlechtere sich die Werkzeugwahl.

Anthropic beschreibt auch, wie solche Systeme wuchern: Die Agentenarchitektur bilde das Organigramm ab, und jedes Team ergänze einen Satz im System-Prompt, bis sich Regeln widersprechen. Subagenten blieben sinnvoll, wenn ein einzelner Agent messbar unter zu viel Kontext leidet, Aufgaben parallel laufen sollen oder er das richtige Werkzeug nicht findet.

Für den Umbau rät Anthropic zu Vorsicht. Zuerst solle ein Testsatz entstehen; schon 10 Musterbeispiele reichten für den Anfang. Dann solle man jeweils nur einen Subagenten einbinden und neu messen. In einem Support-Beispiel sank die Wartezeit, zugleich brach aber ein Ablauf, der vorher funktionierte, und das zeigte sich nur in einem von zwei Durchläufen.

Für KMU in DACH, die Agenten meist einkaufen statt selbst bauen, ist der Leitfaden eine Prüfhilfe. Mehr Agenten bedeuten nicht automatisch mehr Qualität, aber mehr Übergaben; ein einzelner Agent mit Skills war laut Anthropic oft günstiger und schneller je Aufgabe. Entscheidend ist, ob der Anbieter belegen kann, wie sein System bei Ihren typischen Fällen abschneidet.

Quelle: Anthropic

Cyberagentur sieht Angreifer vorn: Lücken in Stunden ausgenutzt
Foto: Carl Lender from Sunrise, USA · CC BY 2.0
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Cyberagentur sieht Angreifer vorn: Lücken in Stunden ausgenutzt

Daniel Gille von der Cyberagentur des Bundes sagte am 25. Oktober der dpa, man befinde sich wahrscheinlich in einem „kleinen Tal der Tränen“: Angreifer könnten eine veröffentlichte Sicherheitslücke heute in Minuten oder Stunden auswerten, früher habe das oft Wochen oder Monate gedauert. Das Beheben geschehe dagegen dezentral und dauere deutlich länger. Die dpa verweist auf eine IBM-Auswertung, nach der von Januar bis September mindestens 10.124 Schwachstellen gemeldet wurden, rund 578 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Florians EinordnungNeu gegenüber der PHP-Meldung vom 22. Oktober ist die Einordnung als Lage statt als Einzelfall: Ein Bundesinstitut sagt, dass Angreifer derzeit schneller sind als die Verteidigung. Vorsicht bei der Ursache: IBM schreibt selbst, die Daten belegten keinen direkten Zusammenhang zwischen KI-gestützter Fehlersuche und dem Anstieg, der zeitliche Verlauf deute aber darauf hin.
Für Ihren Alltag Legen Sie mit Ihrem Hoster oder Ihrer Agentur schriftlich fest, innerhalb welcher Frist kritische Updates für Website, Shop und Kundenportal eingespielt werden, und was passiert, wenn das nicht sofort möglich ist.
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Am 21. Oktober schloss das PHP-Projekt zwei kritische Lücken, die mit Hilfe von KI-Modellen gefunden worden waren; wir berichteten am 22. Oktober. Laut dpa stuft das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik das Risiko als außerordentlich hoch ein. Viele Betreiber nahmen ihre Websites erst nach Stunden oder mehr als einem Tag wieder ans Netz. Behörden meldeten bislang keine erfolgreichen Angriffe auf die Bundesverwaltung.

Am 25. Oktober ordnete Daniel Gille, Abteilungsleiter für Schlüsseltechnologien bei der Cyberagentur des Bundes, die Lage gegenüber der dpa ein. Angreifer könnten veröffentlichte Lücken inzwischen in Minuten oder Stunden auswerten und einen Angriff entwickeln. Das Beheben verteile sich auf viele Betreiber und dauere deutlich länger. Ein Plateau sei denkbar, weil Software nicht unendlich viele Schwachstellen haben könne. Die Cyberagentur bereitet ein Forschungsprogramm zu KI-gestützt geschriebener, schwerer angreifbarer Software vor.

Die Zahlen stammen aus einer Auswertung von IBM X-Force: Bei Microsoft, Oracle, Google Chrome und Apache stieg die Zahl öffentlich gemeldeter Schwachstellen von rund 1.493 in den ersten neun Monaten 2025 auf über 10.124 im selben Zeitraum 2026. Bis zum ersten Quartal lagen die Werte im üblichen Rahmen, ab April stiegen sie stark. Von 223 Lücken, die IBM KI-gestützter Suche zuordnet, waren 55 Prozent hoch oder kritisch eingestuft.

IBM rät, nach Risiko statt nach Menge zu priorisieren, alle aus dem Internet erreichbaren Systeme zu kennen und Abläufe für Updates zu straffen. Wo ein Update nicht sofort möglich ist, könnten vorgeschaltete Schutzregeln die Zeit überbrücken.

Für KMU in DACH heißt das: Website, Onlineshop und Kundenportal laufen oft bei einem Hoster oder werden von einer Agentur betreut. Wer dort keine Frist für kritische Updates vereinbart hat, verlässt sich auf guten Willen. Eine Liste der erreichbaren Systeme mit Zuständigem und vereinbarter Reaktionszeit ist der erste Schritt.

Quelle: heise online (dpa)

Prompt des Tages

Agentenangebot mit eigenem Testsatz prüfen

Sie sind Berater für Prozessautomatisierung in einem kleinen Unternehmen in Deutschland. Ein Dienstleister bietet uns einen KI-Agenten an, der folgende Aufgabe übernehmen soll: [Aufgabe beschreiben, z. B. Kundenanfragen per E-Mail beantworten oder Angebote vorbereiten]. Aufgabe: Erstellen Sie mit mir einen Testsatz aus 10 typischen Fällen aus unserem Alltag. Fragen Sie mich zuerst nach Beispielen, darunter mindestens zwei schwierige oder unklare Fälle und ein Fall, bei dem der Agent ablehnen oder an einen Menschen übergeben muss. Legen Sie für jeden Fall fest: Eingabe, erwartetes Ergebnis, was auf keinen Fall passieren darf, und woran man eine gute Antwort erkennt. Ausgabeformat: eine Tabelle mit den Spalten Fall, Eingabe, Erwartung, Tabu, Bewertungskriterium, danach fünf Fragen an den Dienstleister, etwa wie oft jeder Fall getestet wird und wie Ergebnisse nach Updates erneut geprüft werden. Erfinden Sie keine Angaben über unseren Betrieb.

Nutzen Sie ihn, bevor Sie ein Angebot für einen KI-Agenten annehmen, damit Sie die Leistung an Ihren eigenen Fällen statt an Versprechen messen.

Deep Dive

Weniger versprechen, mehr prüfen: Was beide Meldungen für KMU verbindet

Die beiden Meldungen dieser Ausgabe kommen aus unterschiedlichen Ecken, laufen aber auf dieselbe Fähigkeit hinaus: die eigene Prüffähigkeit. Anthropic empfiehlt Entwicklern, KI-Agenten an einem festen Testsatz zu messen und jeweils nur eine Änderung vorzunehmen. Die Cyberagentur beschreibt, dass Angreifer schneller geworden sind als die Verteidigung, die Lücken schließt. In beiden Fällen gewinnt, wer weiß, was er betreibt, und regelmäßig nachprüft.

Beim Einkauf eines KI-Agenten bedeutet das: Lassen Sie sich nicht von Architekturdiagrammen mit vielen Teilagenten beeindrucken. Fragen Sie, welche Ihrer typischen Fälle getestet wurden, wie oft, und mit welchem Ergebnis. Anthropic hält schon 10 Musterbeispiele für einen sinnvollen Anfang. Wichtig ist auch, dieselbe Aufgabe mehrfach laufen zu lassen, denn in Anthropics Support-Beispiel zeigte sich ein Fehler nur in einem von zwei Durchläufen.

Dieser Testsatz ist kein einmaliges Abnahmedokument. Jedes Modell-Update, jede neue Anbindung und jede Änderung am Prompt kann Ergebnisse verschieben. Vereinbaren Sie daher, dass der Dienstleister den Testsatz nach Änderungen erneut durchlaufen lässt und Ihnen die Ergebnisse zeigt.

Bei der IT-Sicherheit gilt dasselbe Prinzip, nur unter Zeitdruck. Wenn eine Lücke in Stunden ausgenutzt werden kann, reicht es nicht, dass irgendwann ein Update kommt. Sie brauchen eine Liste aller aus dem Internet erreichbaren Systeme, zu jedem einen Zuständigen und eine vereinbarte Reaktionszeit für kritische Updates. Dazu gehört eine Notfallregel, etwa die Website vorübergehend vom Netz zu nehmen, wenn ein Update nicht sofort möglich ist.

Beide Listen sind klein. Ein Testsatz mit 10 Fällen und eine Systemliste mit Zuständigen passen für die meisten Betriebe auf je eine Seite. Sie verschieben aber die Verhandlungsposition: Sie fragen nicht mehr, ob alles in Ordnung ist, sondern prüfen nach, ob vereinbarte Ergebnisse und Fristen eingehalten werden.

Zur Einordnung: Beide Ratschläge kommen von Beteiligten mit eigenem Blickwinkel. Anthropic verkauft Modelle für Agenten, IBM verkauft Sicherheitsdienstleistungen. Die empfohlenen Schritte sind trotzdem herstellerunabhängig und kosten vor allem Zeit für Klarheit, nicht neue Software.

Wer seine Systeme kennt und an eigenen Fällen nachprüft, muss weder Agentenversprechen noch Sicherheitslagen blind vertrauen.

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